Die demografische Entwicklung lässt eine weitere Erhöhung dieser Patient:innenzahl erwarten.1 Die Verschlechterung der Nierenfunktion verläuft lange asymptomatisch und kann in der Regel nur entdeckt werden, wenn gezielt danach gesucht wird. Daher empfehlen nationale wie auch internationale Leitlinien ein jährliches CKD-Screening bei Personen mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen, das die Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und der Harnalbumin-Kreatinin-Ratio (UACR) inkludiert.
Die UACR ist ein starker Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko und erhöht die Sensitivität der CKD Diagnose selbst bei noch normaler eGFR in den frühen Stadien einer CKD.2 Da diese Erkrankung auch ohne UACR-Erhöhung vorliegen kann und die eGFR ebenfalls ein starker Prädiktor für eine erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität ist, sollten beide Werte, sowohl UACR als auch eGFR, gemeinsam ermittelt werden.3
Trotz klarer Empfehlungen erfolgen die Umsetzung des Screenings und die daran anschließende Therapieanpassung nach wie vor viel zu selten. Internationale Daten belegen einen erheblichen Mangel hinsichtlich des CKD-Screenings und der Behandlung von Menschen mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus in der klinischen Routineversorgung4.
Eine Erhebung österreichischer Daten über die Bestimmung der UACR bzw. den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren ergibt ein ähnliches Bild der Unterdiagnose und Unterversorgung.5 Bereits seit einigen Jahren ruht die Therapie der CKD auf drei soliden evidenzbasierten Säulen: auf RAS-Blockern, SGLT2-Inhibitoren sowie ns-MRAs (bei zusätzlich vorliegendem Diabetes mellitus und Albuminurie), die gemeinsam die CKD-Progression hemmen und die kardiovaskuläre sowie die Gesamtsterblichkeit deutlich reduzieren.
Aufgrund der rezenten Studienlage zu GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-Ras) wird den kommenden Leitlinien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine vierte Säule zur Organprotektion wie auch zur Reduktion der Mortalität hinzugefügt. Das bedeutet: Wir Nephrolog:innen haben alle Möglichkeiten in der Hand, Patient:innen mit CKD effektiv zu helfen – doch es braucht dringend Lösungen für die gegenwärtig alarmierend niedrige Diagnose- und Therapierate.6,7,8,9